Die Bundesstaaten
Verfasst: So 2. Nov 2008, 17:05
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Mit den spätgriechischen Bundesrepubliken (κοινά, koina) entwickelte sich vor allem in Griechenland aus älteren Kult- und Kampfbünden noch eine weitere Regierungsform neben den hellenistischen Königreichen. Ihre wichtigsten Vertreter waren der Aitolische Bund in Nordwestgriechenland und der Achaiische Bund auf der Peloponnes. Die Bundesrepubliken bildeten sich in wirtschaftlich und kulturell unterentwickelten Gebieten, die nicht von einer mächtigen Polis wie Athen oder Theben dominiert wurden. Der Arkadische Bund, der im 3. Jahrhundert im Achaiischen Bund aufging, gründete sogar eine eigene Bundeshauptstadt, Megalopolis, um nicht unter die Vorherrschaft eines Mitglieds zu geraten. Andere Bundesrepubliken wählten alte Kultstätten als Versammlungsplätze ihrer Gremien, der Aitolische Bund zum Beispiel das Apollonheiligtum in Thermos, was auch ein Mittel war, den Zusammenhalt des Bundes zu festigen.
Die griechischen Bundesstaaten bestanden aus mehreren ursprünglich unabhängigen Poleis, die ihre außenpolitischen und militärischen Befugnisse an übergeordnete Instanzen abgegeben hatten. Die innere Autonomie der einzelnen Städte blieb allerdings erhalten, solange sie nicht gegen die Bündnistreue verstießen oder unter die Herrschaft von Tyrannen gerieten. Einige Tyrannen traten deshalb freiwillig zurück und strebten eine Karriere auf Bundesebene an. Der ehemalige Tyrann Aratos von Sikyon war sogar achtmal Stratege des Achaiischen Bundes. Ansonsten mischte sich der Bund in der Regel nicht in die inneren Angelegenheiten der Städte ein, er wandte sich allerdings gegen radikale Sozialreformen und griff bei Konflikten zwischen seinen Mitgliedern ausgleichend ein. Typisches Kennzeichen der sympolitischen Koina war ein gemeinsames Bundes- bzw. Bürgerrecht, das jedoch nicht das Polisbürgerrecht ersetzte. Als übergeordnete politische Instanz fungierte eine Bundesversammlung, deren Kompetenzen von Bund zu Bund variierten und die auch in der Regel jährlich wechselnde Bundesbeamte wählte, denen die Vertretung des Bundes nach außen oblag.
Die spätgriechischen Bundesrepubliken inspirierten die Väter der amerikanischen Verfassung.
Im 2. Jahrhundert v. Chr. gerieten die griechischen Bundesstaaten nach und nach unter römische Kontrolle, einige bestanden allerdings noch nach dem Ende der hellenistischen Zeit, etwa der Lykische Bund in Kleinasien, der erst 43 n. Chr. aufgelöst wurde. Der Geschichtsschreiber Polybios, dessen Vater Lykortas zu den führenden Politikern des Achaiischen Bundes gehört hatte, sah in diesem die Vollendung der Demokratie.Die neuzeitliche Staatstheorie beurteilte die spätgriechischen Koina ähnlich positiv, so nannte Montesquieu den Lykischen Bund eine ideale Bundesrepublik und der Althistoriker Karl Julius Beloch die spätgriechischen Bundesrepubliken „die vollendetste Schöpfung auf politischem Gebiet, die den Hellenen und dem Altertum überhaupt gelungen ist“.
Die Bundesstaaten der hellenistischen Zeit, deren Blütezeit nur einige Jahrzehnte dauerte, gewannen somit entscheidenden Einfluss auf die Nachwelt. Selbst die Väter der amerikanischen Verfassung orientierten sich bei deren Entwurf an den Berichten Polybios’ und Strabons darüber. In den Federalist Papers schrieben James Madison und Alexander Hamilton 1787:
"Der Achaiische Bund gibt uns wertvolle Hinweise".
Auch die Hauptstadt der Vereinigten Staaten, Washington, wurde wie das achaiische Megalopolis eigens zu diesem Zweck neu gegründet, nachdem der amerikanische Kongress zuvor abwechselnd in verschiedenen Städten getagt hatte.
LG lambrini
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Mit den spätgriechischen Bundesrepubliken (κοινά, koina) entwickelte sich vor allem in Griechenland aus älteren Kult- und Kampfbünden noch eine weitere Regierungsform neben den hellenistischen Königreichen. Ihre wichtigsten Vertreter waren der Aitolische Bund in Nordwestgriechenland und der Achaiische Bund auf der Peloponnes. Die Bundesrepubliken bildeten sich in wirtschaftlich und kulturell unterentwickelten Gebieten, die nicht von einer mächtigen Polis wie Athen oder Theben dominiert wurden. Der Arkadische Bund, der im 3. Jahrhundert im Achaiischen Bund aufging, gründete sogar eine eigene Bundeshauptstadt, Megalopolis, um nicht unter die Vorherrschaft eines Mitglieds zu geraten. Andere Bundesrepubliken wählten alte Kultstätten als Versammlungsplätze ihrer Gremien, der Aitolische Bund zum Beispiel das Apollonheiligtum in Thermos, was auch ein Mittel war, den Zusammenhalt des Bundes zu festigen.
Die griechischen Bundesstaaten bestanden aus mehreren ursprünglich unabhängigen Poleis, die ihre außenpolitischen und militärischen Befugnisse an übergeordnete Instanzen abgegeben hatten. Die innere Autonomie der einzelnen Städte blieb allerdings erhalten, solange sie nicht gegen die Bündnistreue verstießen oder unter die Herrschaft von Tyrannen gerieten. Einige Tyrannen traten deshalb freiwillig zurück und strebten eine Karriere auf Bundesebene an. Der ehemalige Tyrann Aratos von Sikyon war sogar achtmal Stratege des Achaiischen Bundes. Ansonsten mischte sich der Bund in der Regel nicht in die inneren Angelegenheiten der Städte ein, er wandte sich allerdings gegen radikale Sozialreformen und griff bei Konflikten zwischen seinen Mitgliedern ausgleichend ein. Typisches Kennzeichen der sympolitischen Koina war ein gemeinsames Bundes- bzw. Bürgerrecht, das jedoch nicht das Polisbürgerrecht ersetzte. Als übergeordnete politische Instanz fungierte eine Bundesversammlung, deren Kompetenzen von Bund zu Bund variierten und die auch in der Regel jährlich wechselnde Bundesbeamte wählte, denen die Vertretung des Bundes nach außen oblag.
Die spätgriechischen Bundesrepubliken inspirierten die Väter der amerikanischen Verfassung.
Im 2. Jahrhundert v. Chr. gerieten die griechischen Bundesstaaten nach und nach unter römische Kontrolle, einige bestanden allerdings noch nach dem Ende der hellenistischen Zeit, etwa der Lykische Bund in Kleinasien, der erst 43 n. Chr. aufgelöst wurde. Der Geschichtsschreiber Polybios, dessen Vater Lykortas zu den führenden Politikern des Achaiischen Bundes gehört hatte, sah in diesem die Vollendung der Demokratie.Die neuzeitliche Staatstheorie beurteilte die spätgriechischen Koina ähnlich positiv, so nannte Montesquieu den Lykischen Bund eine ideale Bundesrepublik und der Althistoriker Karl Julius Beloch die spätgriechischen Bundesrepubliken „die vollendetste Schöpfung auf politischem Gebiet, die den Hellenen und dem Altertum überhaupt gelungen ist“.
Die Bundesstaaten der hellenistischen Zeit, deren Blütezeit nur einige Jahrzehnte dauerte, gewannen somit entscheidenden Einfluss auf die Nachwelt. Selbst die Väter der amerikanischen Verfassung orientierten sich bei deren Entwurf an den Berichten Polybios’ und Strabons darüber. In den Federalist Papers schrieben James Madison und Alexander Hamilton 1787:
"Der Achaiische Bund gibt uns wertvolle Hinweise".
Auch die Hauptstadt der Vereinigten Staaten, Washington, wurde wie das achaiische Megalopolis eigens zu diesem Zweck neu gegründet, nachdem der amerikanische Kongress zuvor abwechselnd in verschiedenen Städten getagt hatte.
LG lambrini